ÖH Uni Graz ÖH Uni Graz

Startseite » “Ich bin Antifeminist”

“Ich bin Antifeminist”

„Ich bin Antifeminist“

In einer Zeit, in der Feminismus oder Feminist*in als Abwertung, ja fast schon als Schimpfwort gebraucht wird, fällt es auf einmal sehr leicht sich einfach als Gegenpol dieses politischen Statements zu verstehen. Wer möchte schon diesem Klischee einer sexuell frustrierten und daher zwangsläufig Männer hassenden Furie entsprechen. Da erscheint es ja fast einleuchtend zu sein sich dieser öffentlichen Bloßstellung entziehen zu wollen und lieber erst mal eine Antihaltung einzunehmen oder ebenso kontrovers, sich als moralisch integer zu betrachten und eine vermeintlich neutrale, unpolitisch Rolle für sich zu beanspruchen.

Die Frauenbewegung ist über den Punkt hinausgewachsen, als nur Frauen* für ihre Rechte einzustehen versuchten. Inzwischen versteht sich der Feminismus als ein gesamt-gesellschaftlicher Kampf gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Dabei kämpfen alle Menschen egal welchen Geschlechtes oder welcher sexuellen Orientierung Seite an Seite. Es scheint selbstverständlich, dass sich auch in diesem Zuge die Männer* aus ihren gesellschaftlich normierten Zwängen und Stereotypen befreien wollen. Wer will schon als Trieb gesteuertes Wesen gelten, dass bei dem Anblick eines Minirockes nicht an sich halten könne. Die These, dass es sich dabei um eine provozierende zur Schaustellung des weiblichen Körpers handeln würde und daher zwangsläufig mit einer chauvinistischen Reaktionen der Männer* zu rechnen sei, hält sich verblüffend hartnäckig. Daher ist es längst überfällig auch diesen Rollenbildern entschieden entgegen zu treten.

Interessant wird es nun, da sich vermehrt Menschen auch vom Feminismus angegriffen sehen. Eine geschlechtergerechte Sprache wird als zu viel Aufwand empfunden, als Ideologie die der Gesellschaft aufgezwungen werden würde. So äußerte sich der norwegische Attentäter und bekennende Rassist, Antisemit und Antifeminist Anders Behring Breivik, dass die political correctness eine Feminisierung der europäischen Kultur bedeuten würde und somit einem Krieg gegen die europäischen Männer gleichzusetzen sei. Doch nicht nur Sprache ist den Antifeminist*innen ein Dorn im Auge. Obwohl die antifeministische Männerrechtsbewegung sich als Sprachrohr des gesamten „männlichen“ Teils der Gesellschaft versteht, so lassen sie es sich dennoch nicht nehmen auch Männer* zu diffamieren die nicht ihrem heteronormativen Bild entsprechen oder danach handeln.

Eine Person wie Ronja Larissa von Rönne die vom Feminismus angeekelt ist und Sexismus als legitimes Konsumgut versteht, geht davon aus, dass eine Gleichstellung in der Gesellschaft schon allumfassend statt gefunden hat. Feminismus sei antiquiert und überflüssig – da stellt sich die Frage warum bis in die 90er Jahre die Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar war. Warum wir auch im Jahr 2016 über das Sexualstrafrecht endlos erscheinende Debatten führen müssen. Dass ein „Nein“ auch diese Bedeutung zugesprochen bekommt. Wer die Errungenschaften des Feminismus genießt und dennoch ignorieren möchte dass die Gesellschaft noch nicht am Ziel angekommen ist und weiterhin Menschen Diskriminierung erfahren, verhält sich schlicht ignorant. Jedem sei es erlaubt egoistisch zu sein, wie es ja auch Ronja Larissa von Rönne für sich definiert. Diesen Menschen muss dann eben auch bewusst sein welches negative Bild sie von einer Gesellschaft zeichnen und wiederspiegeln.

Auch der Feminismus ist nicht frei von Makeln. Viele unterschiedliche Menschen haben bekanntlich auch viele unterschiedliche Meinungen und somit finden sich auch in feministischen Strömungen sehr fragwürdige oder falsche Thesen. Unter anderem sind Äußerungen wie die von Alice Schwarzer in Bezug auf die Silvesternacht in Köln als problematisch zu bewerten. Denn sie artikulierte öffentlich Zuschreibungen und Pauschalisierungen im Namen des Feminismus. Doch auch hier wäre es zu geistlos, einfach den gesamten Feminismus abzuschreiben. Vielmehr benötigt es das Engagement der gesamten Gesellschaft sich einzubringen und den Feminismus in sich auszuformulieren.