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Alice im Populismusland!

Alice im Populismusland! 
Der Schock in der ArbeiterInnenkammer Graz!

Alice Schwarzer – für viele eine feministische Ikone, Gesicht der zweiten Frauenbewegung und Innbegriff des deutschen “mainstream” Feminismus. Sie ist in Graz. Im Kammersaal der ArbeiterInnenkammer sitzt sie vor gut 800 Menschen, um ihr neues Buch „Der Schock- Silvesternacht in Köln“ vorzustellen. Wow! Frauenthemen mobilisieren, Frauenthemen sind gesellschaftsfähig. Man könnte sich freuen, wenn nicht….

Alles beginnt mit einer grauenvollen Begrüßung. ParteifunktionärInnen beklatschen sich gegenseitig, man begrüßt namentlich politisch gut versorgte Menschen des ÖGB, des BFI, der AK und bla und <halten die Reihen dicht geschlossen>.
Dann der Auftritt der großen Frau Schwarzer. Sie beginnt ihren Vortrag in populistischer Manier, indem sie in eine emotionale Kerbe vieler GrazerInnen schlägt:
Guten Abend! In IHREM Graz mit IHREM Amokfaher Allan R. Bumm! IHR Amokfaher hat drei Menschen getötet, IHR Amkofahrer ist ein Mann aus einer rückständigen patriarchalen Kultur, wie sie auch die Männer aus Köln sind, die in jener Nacht sexuelle Massenübergriffe an Frauen verübten. Das darf man nicht dulden. Wir haben so lange für unsere Frauenrechte gekämpft. Wir müssen sie bewahren. Ich bekomme eine Gänsehaut. Es ist nicht MEIN Amokfahrer, der mein scheinbar heiles Graz durch seine Tat zerstört hat. Bei vielen Menschen ist aber schon das WIR-Gefühl hergestellt und man hat einen gemeinsamen Feind. Allan R., den muslimischen Mann. Allan R. hat Schreckliches verübt an seiner Frau sowie an vielen, vielen anderen Menschen. Alice Schwarzer weiß dies und sie instrumentalisiert seine Tat, um ein gemeinsames Feindbild des muslimischen Mannes zu schaffen, das auf realen Gefühlen und Erlebnissen der GrazerInnen basiert.

Weiter im Text. Alice Schwarzer erzählt, dass die Ex-Ehefrau des Amokfahrers befreit wurde und ins Frauenhaus gebracht wurde, daraufhin verübte er seinen Rachefeldzug. Ein gekränkter Mann, der es nicht ertragen konnte, dass ihn seine Frau verlassen hatte und daraufhin Rache an den Menschen verübt. An den Menschen und an ihrer Kultur, die er verachtet. Das ist die Krone und Kleine Zeitung Geschichte des gekränkten Mannes und Alice Schwarzer greift sie auf. Sie greift sie auf, ohne zu fragen, wie es der Ex-Ehefrau von Allan R. mit dieser Version geht. In dieser Version wird nämlich ihre Flucht ins Frauenhaus als Auslöser für Allan R.s Tat erklärt. Und es ist eine Flucht, es geht um Leben und Tod und nicht um ein: Ich verlasse meinen Ehemann-Thema. Wäre sie nicht ins Frauenhaus gebracht worden, würden dann die Menschen noch leben? Wie kann man sowas denken?Wie geht es dieser Frau wohl mit so einer Zuschreibung? Alice Schwarzer macht eine Frau zur indirekten Verantwortlichen für diese Tat. Die Frau muss damit leben, die Menschen haben ihre Schuldigen, nämlich eine Frau und einen Ausländer. Alice Schwarzer und die SPÖ haben ihre Aufmerksamkeit.
Dass Allan R. neben seiner muslimischen Identität auch psychisch krank ist, wird nicht erwähnt. Und mit dieser Aussage will ich ihn nicht entlasten, jedoch die Diskussion erweitern und die Schuldzuschreibungen an seine Ex-Ehefrau mindern.

Auch wenn Alice Schwarzer während des weiteren Vortrages immer wieder darauf aufmerksam macht, dass sie sich gegen einen politischen Islam wehrt und dass es muslimische Männer gibt, die nicht Teil einer patriarchalen Kultur sind, ist die Stimmung eine andere. Sie nimmt auch die Silvesternacht in Köln, um zu emotionalisieren. Erzählt von einer weißen, deutschen Familie in freudiger Silvesterstimmung, die am Kölner Hauptbahnhof auf tragische Weise auseinander gerissen wird. Frau und Tochter werden von organisierten Algeriern, Marokkanern und Syrern, nota bene 3000 von diesen Männern! zu „Opfern“ von sexueller Gewalt.

Die Stimmung in der AK ist so pro feministisch – wie ich sie in dieser Menge noch nie erlebt habe und selbstverständlich wird dies in der anschließenden Diskussion dazu genutzt, um über seine Urlaubserfahrungen im bösen Ausland zu sprechen. „Die Männer dort verachten ihre Frauen.“
Ich frage mich, wo hier der Unterschied zur AFD bzw. FPÖ liegt? Wir müssen unsere Kultur und die Frauen schützen. Ha! Welche Kultur denn bittschön, als wäre „UNSERE“ Kultur frei von Sexismus und Gewalt. Die Grenzen verschwimmen. Man urteilt über Menschen, die selbst nicht im Raum sind, betreibt einen weißen, mitteleuropäischen Elite-Feminismus, will Frauen befreien, ohne sie selbst zu Wort kommen zu lassen?
Wo war denn die migrantische Community der Sozialdemokratischen Partei Graz oder wurde sie erst gar nicht eingeladen?
Meine Frage, warum Alice Schwarzer den Diskurs so emotionalisiert, wurde nicht beantwortet.
Politisch engagierte Menschen müssen sich der Frage stellen, für welche Welt sie sich einsetzten wollen. Sie brauchen eine Vision ohne das materialistische Hier und Jetzt zu vergessen. Es braucht Praxis und Handeln. Es braucht ein offenes Herz und den Mut, Dinge neu zu denken, die Rücksicht sich selbst zurückzunehmen und die eigenen Werte zu hinterfragen, nicht nur immer die, der anderen. Es braucht eine Sprache, die anschlussfähig ist, ohne zu hetzten. Es braucht Inhalte und keine persönlichen Befindlichkeiten. WIR BRAUCHEN ZUKUNFT. JETZT UND HIER!